Als wir auf unserer Busfahrt von Bariloche wieder aufwachen, sieht es draussen ganz anders aus: Es ist flach, keine Berge in Sicht und die Landschaft ist von Landwirtschaft geprägt. Immer mal fahren wir an einem Pick-up vorbei, auf dessen Ladefläche zwei bis drei Leute sich Mate teilen. Als wir langsam ins Stadtgebiet von Buenos Aires fahren, realisieren wir, dass wir seit über drei Monaten nicht mehr in einer großen Stadt waren – überall erheben sich Hochhäuser, es gibt enge Straßenschluchten, tausende Autos und es ist laut. Der Busbahnhof in Retiro ist nicht sonderlich schön aber wir müssen auch nur zur Metro laufen, um zu unserem Couchsurfing-Host Julian zu kommen.

Gemeinsam mit Julian haben wir eine gute Zeit. Natürlich kochen wir an einem Abend Käsespätzle zusammen und tauschen uns übers Reisen, Buenos Aires und andere Orte in Argentinien und Julians Pläne für ein Jahr nach Deutschland zu kommen aus.
Die Zeit in Buenos Aires verbringen wir damit die unterschiedlichen Viertel der Stadt zu erkunden. Dabei werden wir das erste Mal gewarnt, wie wir uns in der Stadt zu bewegen haben. Da in der Stadt häufig bewaffnete Überfälle (auch mit Toten) vorkommen, halten wir uns natürlich an die Warnungen. Ein Viertel, indem man sich nur im touristischen Teil und nicht den Seitenstraßen aufhalten soll, ist La Boca. Nachdem wir uns nur in einer Straße des Viertels aufhalten sollen, nehmen wir den Bus.

La Boca gilt mit der berühmten Fußgängerzone Caminito, als Geburtsort des Tangos und ist eines der ältesten Viertel der Stadt. Die ersten Einwanderer haben dort knallbunte Häuser errichtet, die heute berühmte Postkartenmotive für die Stadt hergeben. Uns wird jedoch mehrfach gesagt, dass wir in der Fußgängerzone bleiben müssen und so laufen wir also mit vielen anderen Touristen durch die beiden sicheren Straßen. Wir treffen uns mit Seb wieder, den wir bereits in Puerto Varas und Bariloche gesehen hatten.







Ein weiteres Viertel das nur tagsüber zum Schlendern geeignet ist, heißt San Telmo und beherbergt eine alte Markthalle.



Der neue und etwas wohlhabendere Teil der Stadt befindet sich um das Häfengelände Puerto Madero. Dort gibt es einige teure Bars und es liegen noch alte Segelschiffe im Hafen.

Ein Viertel, dass man abends als Mensch von außerhalb Argentiniens betreten kann ist Palermo. Dort gibt es sehr viele Bars und die Stimmung ist ausgelassen. An einem Abend treffen wir uns mit Julian an einem Burgerladen, der anscheinend bei einem Ranking als 14. bester Burger der Welt ausgezeichnet wurde.
Über Couchsurfing finden wir außerdem die Möglichkeit ein paar Grundlagen des Tangos zu lernen. Wir erwarten eine Veranstaltung die für Touristen gemacht wird, aber werden vom Gegenteil positiv überrascht. Die Tanzschule liegt in einem ruhigen Wohnviertel und die Tanzlehrerin spricht nur Spanisch. Nach ungefähr 2,5 Stunden beherrschen wir den Grundschritt und eine Figur.

An anderer Stelle sehen wir noch ein blaues Tango-Tag.

In Bariloche hatten Lucas und Tom am letzten Abend noch Esteban kennengelernt, der ebenfalls in Buenos Aires wohnt. Wir fragen ihn also ob er Lust hat sich zu treffen und wir sehen uns am Friedhof Recoleta. Dort sind viele berühmte ArgentinierInnen begraben – so zum Beispiel Eva Peron. Die Frau des Präsidenten Peron war bei den Menschen sehr beliebt und hat viel für Gleichberechtigung, Chancengleichheit und Rechte der Frauen getan. Esteban erzählt uns, dass seine Oma eine Nähmaschine von Evita (wie Eva Peron im Volk genannt wurde) geschenkt bekommen hat, um ein eigenes Geschäft eröffnen zu können. Auch heute legen noch viele Menschen frische Blumen am Familiengrab nieder.

Der Friedhof eignet sich auch für Nachhilfe in argentinischer Geschichte und Esteban weiß unglaublich viel. Es gibt aber auch kuriose Geschichten auf dem Friedhof. Ein Mann wurde mit Sprungfedern im Sarg begraben, weil er Angst hatte lebendig begraben zu werden. Bis zum heutigen Tage ist er jedoch liegen geblieben – die Angst war demnach unbegründet.
Esteban ist ein Freund der argentinischen Küche und wir treffen uns abends am besten Pizzaladen der Stadt wieder – Pin Pun! Einmal im Jahr findet der Muzza5k in Buenos Aires statt: ein 5 Kilometer langes Wettrennen, bei dem circa 400 Teilnehmer bei 8 Pizzaläden entlang der Avenida Corrientes stoppen und jeweils ein Stück Pizza Margeritha essen (sp. Muzza). In den letzten Jahren wurde immer Pin Pun als bester Laden ausgezeichnet. Wir bestellen nichtsahnend eine Muzza500 und wundern uns noch über die Zahl und denken, dass eine Pizza wohl 500g wiegt. Als die Pizza vor uns liegt wird uns jedoch klar, dass wir wohl auch Frühstück haben, denn die 500 steht für das Gewicht des Käses – 500g Käse!

Da wir Guanacos (die patagonischen Lamas) nicht aus der Nähe sehen konnten, gehen wir am letzten Tag den wir haben, in den Eco-Park. Dabei handelt es sich um die Überreste eines Zoos, der Schritt für Schritt geschlossen wird und sehr beliebt bei der lokalen Bevölkerung ist. Dort laufen Maras frei herum und wir können endlich Guanacos aus der Nähe begutachten.


Später am Tag nehmen wir dann die Fähre über den Rio de la Plata nach Uruguay.

