Das Couchsurfen hat in Sapporo überhaupt nicht funktioniert. Dennoch haben wir einen Gastgeber in einem kleinen Küstendorf im Norden der Hauptstadt Hokkaidos gefunden: Mr. Aoki in Tomamae. Wir fahren also mit dem Bus von Sapporo für 3 Stunden entlang der Küste. Mr. Aoki holt uns, und seine neue Ehefrau, an der Bushaltestelle ab. Die beiden sind frisch verheiratet (beide schon das zweite Mal) und haben zu feiern, dass Aokis Frau ein Jahr in Japan bleiben darf – sie ist nämlich aus Thailand. Trotzdem werden wir zeitgleich aufgenommen – Aoki besitzt nämlich ein Rider’s House. Dort können Motorradfahrer, Fahrradfahrer oder andere Reisende gegen eine Spende unterkommen. Die Bank hat das Ganze gefördert (in Form der Immobilie), um den Tourismus in Tomamae anzukurbeln. Wir hätten jedoch auch so dort hinkommen können, weil es einer der windreichsten Standorte in Japan ist. Das kann nur eins bedeuten: viele Windkraftanlagen!

Gleichzeitig mit uns gastiert noch Shinichi, ein freundlicher Japaner aus Nagano. Stets gut gelaunt erfüllt er ein Vorurteil: Japaner lieben Karaoke-Bars. Wie es der Zufall will, gibt es eine Karaoke-Bar in dem kleinen verschlafenen Ort und diese ist nur eine Laufminute von unserer Unterkunft entfernt. Nach einem großartigen Grillen mit Aoki und seiner Frau, geht es also abends noch in die Karaoke-Bar.
Die Bar sieht ganz gewöhnlich aus und eine nette, ältere Dame steht hinter dem Tresen. Shinichi lädt uns ein und schon haben wir abwechselnd japanischen oder koreanischen Whiskey vor uns stehen. Anfangs sind wir alleine in der Bar und können englische und japanische Songs trällern – die Aufteilung sollte klar sein. Um durch die riesige Auswahl an Liedern zu scrollen, gibt es eine kleine Maschine die rumgereicht wird und die genutzt wird, um Lieder in die Warteschleife zu packen.

Das Mikrofon ist ziemlich laut eingestellt, damit die Singkünste auch drei Häuser weiter bestimmt noch zu hören sind. Sobald die Lieder beginnen, flackern japanische Videos über den Bildschirm, was vor allem bei Liedern von Bon Jovi, ABBA, Bonnie Tyler oder Meat Loaf lustig anschauen ist. Mit voller Hingabe geben wir also unsere Gesangskünste zum Besten:

Nach dem ein oder fünf anderen japanischen Whiskeys nehmen die Gesangstalente jedoch auch stark ab und nach einigen lustigen Stunden verlassen wir die Karaoke-Bar dann auch wieder.
Am nächsten Tag stehen wir einigermaßen früh auf, um auf das lokale Shrimps-Festival zu gehen. Man kann es vielleicht mit dem Ernte-Dank-Fest vergleichen, natürlich nur auf den Fischfang bezogen. Man kann sich überall Leckereien aus dem Meer kaufen oder sich beim Shrimps fangen anmelden. Letzteres ist weniger spektakulär als es klingt: Die noch lebendigen Shrimps werden auf einem langen Tisch aufgehäuft. Dahinter positioniert sich eine Reihe Japaner (die sich vor angemeldet haben und mit Körben ausgestattet wurden). Nach ein paar einleitenden Worten des Moderators ertönt das Startsignal und alle fangen an, wie wild Shrimps in ihre Körbe zu schaufeln. Manchmal springt der ein oder andere aber auch wieder heraus. Nach ein paar Sekunden ist das Spektakel aber auch schon wieder vorbei und die nächste Gruppe darf Shrimps sammeln gehen.


Aoki kennt jeden! Ob Bürgermeister, Menschen von den Behörden, Polizei oder Unternehmer. Natürlich stellt er allen seine neue Frau und seine Gäste aus Deutschland vor. Generell fragen uns alle, warum wir genau nach Tomamae gekommen sind. Die Antwort, um Aoki zu besuchen und das ländliche Leben zu sehen, wird immer mit einem erstaunen Ahhhh oder Ohhhh gewürdigt. Danach folgen viele Fragen zu Deutschland oder Geschichten über den eigenen Europabesuch.
Selbstverständlich hat Tomamae auch ein Maskottchen, das auf dem Festival herumwandert und Bilder machen lässt. Da der Hut Ähnlichkeiten mit Dianas Doktorhut hat, lassen wir uns die Möglichkeit natürlich nicht nehmen!


Es gab auch andere Aktivitäten auf dem Festival. Eine war es sich als japanischer Manga zeichnen zu lassen. Für 200 Yen (ca. 1,60€) haben wir uns die Möglichkeit natürlich nicht entgehen lassen!

Ein Tier das im alltäglichen Leben Hokkaidos eine wichtige Rolle hat, ist der Braunbär. So wird man am Ortseingang direkt von einem großen Bären begrüßt!

Natürlich werden die Windkraftanlagen deutlich häufiger gesichtet als Bären. Wir fahren also auf einen Aussichtspunkt, um deren volle Pracht bestaunen zu können, inklusive Meerblick. Es ist dennoch ein verregneter Tag. Daher ein Bild von unserem Gastgeber Aoki:

Um ein wenig süddeutsche Kultur nach Japan zu bringen, haben wir mal wieder Käsespätzle zubereitet.

Und hier das Endresultat:

Zu unserem nächsten Ziel Furano fahren wir gemeinsam mit Aoki und seiner Frau und sehen noch ein paar schöne Ecken des zentralen Hokkaidos!
