Noch haben wir einiges vor in Beijing, da wir aber Lucas Vater dort in ein paar Tagen treffen wollen, entschließen wir uns früher nach Shanghai zu fahren. Dabei nutzen wir erstmalig den chinesischen Zug. Wir haben aus Kostengründen im Übernachtzug einen Sitzplatz in der 2.Klasse gebucht und sind dennoch überrascht. Die Sitzplätze sind recht bequem und v.a. sehr geräumig, ebenso der sehr großzügige Fußraum. Störend ist jedoch die Festtagsbeleuchtung, die auch in der Nacht nicht abgeschaltet oder gedimmt wird. Mehr oder weniger ausgeschlafen kommen wir also in der Früh in Shanghai an und werden mit dem größten Metronetz auf unserem Planeten konfrontiert. Doch auch hier ist die Navigation nicht weiter schwer und nach den üblichen Sicherheitskontrollen und einigen Stationen finden wir uns im Süden der Stadt bei unserer Unterkunft wieder.
Shanghai hat circa 2 Millionen Einwohner mehr als Beijing und überall laufen, fahren oder warten Menschen. An jeder Straßenecke steht eine Vielzahl an Bikesharing-Fahrrädern und wir entscheiden uns das Angebot von MoBike wahrzunehmen. Per App sind wir 2 Minuten später registriert, per QR-Code sind die Räder entsperrt und los kann es gehen. In Shanghai, aber auch Beijing, ist die Trennung von Fahrradspuren und Autospuren an vielen, starkfrequentierten Stelle oft sehr gut gelungen – durch bauliche Trennung. Das soll jetzt kein Vorwurf an das autoverliebte Deutschland sein…


Um von A nach B zu kommen, muss jedoch immer die volle Konzentration walten, denn die Moped- und Dreiradfahrer scheinen anderen, uns nicht erschließbaren Verkehrsregeln zu folgen. Ruheinseln, wie der Konfuzius-Tempel sind da sehr willkommen.

Das erste Mal seit unserer Ankunft werden wir vom Regen überrascht und stellen uns in einem Metroeingang unter. Natürlich sind wie aus dem Nichts schon Regenschirmverkäufer zur Stelle, die lautstark ihre Produkte anpreisen.
Auch am nächsten Tag soll das Wetter nicht besser werden. Bei den Fahrten mit dem Fahrrad fühlen wir uns immer wie Einheimische, doch sobald wir an unseren Zielen angekommen sind, gehen wir in der Masse aus Touristen unter. So auch am Yuyuan Garten. Im Herzen der Stadt ist er zentral gelegen und ein sehr gut erhaltenes Beispiel für die chinesische Gartenkunst. Durch den gesamten Garten zieht sich ein Drache, der in einem großen schwarzen Kopf mündet.


Aufgrund des Wetters fahren wir immer wieder kurze Strecken mit dem Fahrrad, werden nass, machen Halt und wieder von Vorne. In Shanghai gibt es viele Beispiele wie Leerstandsgebäude in Kreative Viertel umgenutzt werden oder kommerziell aufgewertet werden, die Stadt unterliegt somit einem ständigen Wandel. Ein Beispiel hierfür ist das ehemalige Schlachtviertel. Hier sind viele (auch westliche) Cafés und Geschäfte eingezogen, aber auch Planungs- und Architektenbüros.

Ein anderes aufgewertetes Viertel ist unweit. Jedoch lässt sich durch das Verändern der baulichen Substanz nicht alles verändern. So treffen sich die älteren Bewohner der umliegenden Häuser immernoch zum Karten- und Brettspielen auf der Straße – natürlich immer mit Zuschauern.

Wenn man einen Blick hinter die schönen Häuserfassaden wirft, ist uns oft aufgefallen, dass sich dort augenscheinlich wenig verändert hat.


Shanghai ist als kleines Fischerdorf gegründet worden, unter dem Namen Hu. Hu ist der Name eines Gerätes, das in der Region beim Fischen häufig zum Einsatz gekommen ist. Die Anfänge der Stadt lassen sich in Zhujiajiao nachvollziehen, da bequem per Metro zu erreichen ist. Wie dennoch für Shanghai zu erwarten, waren wir nicht die einzigen Menschen die sich diesen Gedanken gemacht hatten und wir fanden uns in einem regelrechten Besuchermeer wieder.


Von den Anfängen der Stadt machen wir uns auf den Weg zum Bund, um den modernsten Teil der Stadt zu begutachten. Hier sind ebenfalls wie zu erwarten Menschenmassen anzutreffen und wir erkämpfen uns einen Platz an der Brüstung zum Fluss.



Als Diana ein Bild von sich selbst machen will, merken wir dass einige Kameras auf uns gerichtet sind – nicht unüblich in China haben wir uns sagen lassen, aber das macht es nicht besser. Lucas stellt sich mit dem Rücken zu den Kameras in den Weg, damit die Attraktivität des Motivs abnimmt. Daraufhin kommt eine Gruppe Chinesen (vermutlich aus einer ländlichen Region) zu uns und artikuliert, dass sie ein Bild mit uns machen wollen. Wir willigen ein und schon kommen 6 freudestrahlende Chinesen zu uns um ein Gruppenbild zu machen. Wir denken, dass es damit getan ist, aber nun wollen alle Gruppenmitglieder ein Bild von sich und Diana machen. Dafür stellen sie sich sogar in Reihe an. Eine Mutter zwingt ihre Tochter sogar zum Fotoglück. Nach wenigen Minuten ist das Spektakel beendet und wir dürfen uns wieder frei bewegen und unseren Trip weiter ins CBD der Metropole fortsetzen.
Das Finanzzentrum Shanghais besitzt einige bemerkenswerten Wolkenkratzer – allen voran der Oriental Pearl Tower (oben links im Bild). Wir wollen einen möglichst hohen Blick erhaschen und kaufen uns zwei Tickets für den Skywalk des Shanghai World Finance Center. Der Turm sieht aus wie ein Flaschenöffner und besitzt eine Aussichtsplattform am unteren und eine am oberen Ende der inneren Öffnung (oben der blaue Turm mit Öffnung in der rechten Bildhälfte). Der Blick ist bei Nacht spektakulär und immer wieder zieht eine Wolke auf Augenhöhe vorbei.

Bei Nacht wirkt das CBD noch einmal spektakulärer als bei Tag.

Wir fahren wieder mit der Metro auf die andere Seite und wollen davon ein paar Impressionen teilen:



Ein Tag bleibt uns noch um verschiedene Ecken der Stadt zu erkunden. Da wäre es doch mal wieder Zeit für einen Tempel. Der Longhua Temple bieten sich dafür an und ist – obwohl er eine Attraktion ist – ruhig und entspannt.



Zwei knallorangene Fahrräder helfen uns zum Propaganda Plakat Museum Shanghai zu kommen, eine riesige Sammlung an Propagandaplakaten aus der Nachkriegs- und Maozeit.

Unser letzte Stop führt uns ins geographische Herz von Shanghai, genauer gesagt ins Shanghai Urban Planning Exhibition Centre. In der fünfstöckigen Ausstellung findet man viele Bilder zur Entwicklung der Metropole, alte Regionalplanungskarten und eine Minimodell, dass die gesamte Stadt (inkl. aller Gebäude) umfasst.

Abends treten wir den Rückweg nach Beijing an. Abschließend noch ein paar Impressionen aus der Stadt:



