Nach einer langen Busfahrt kamen wir in Ebina an. Mit zwei Bussen ging es dann nach Fujikawaguchiko weiter, einem hypertouristischen Ort, am Fuße des Fujisan. Der Ansturm auf den Fujisan und die umgebende Region ist dennoch verständlich: vom Stempel im Reisepass, über Magneten, Logos, Postkarten, T-Shirt und Marken – alles wird mit der Silouhette des Stratovulkans veredelt oder dargestellt. Darüber hinaus ist er ein heiliger Berg und viele Japaner haben das Ziel diesen mindestens einmal im Leben zu erklimmen. Als wir ankamen spürten wir noch die Ausläufer des vorbeigezogenen Taifuns, denn es regente noch in Strömen. Wir entschieden uns also erstmal ein wenig an einem der Seen in der Nähe des Berges zu Zelten ehe wir den Aufstieg starten wollten. Dazu hatten wir den Shojisee auserkoren. Den Berg konnten wir das erste Mal am folgenden Tag sehen:

Natürlich wollten wir bei bestem Wetter auf dem Gipfel angekommen. Daher verbrachten wir viel Zeit damit Wetterberichte zu durchforsten und fanden schließlich die Seite des norwegischen Wetterdienstes die aus irgendwelchen Gründen zuverlässiger erschien als die des japanischen Counterparts. Nachdem wir noch einmal den Zeltplatz wechseln mussten, starten wir also unseren Aufstieg.
Natürlich kann man den Fujisan tagsüber besteigen. Man kann ihn auch tagsüber mit Übernachtungen in Hütten (von denen es wirklich reichlich gibt) besteigen. Diese kosten aber 50 bis 80 €. Das wollten wir einfach nicht bezahlen. Also entschieden wir uns den traditionellen Weg einzuschlagen. Um 20.00 Uhr fanden wir uns also (im strömenden Regen) an der fünften Station ein – der Startpunkt der Wanderung. Dort trafen wir eine weitere kleine deutsche Wandergruppe, die wie wir, die Besteigung mit Stirnlampen über Nacht machen wollten. Bei gemütlichen Tempo soll man es pünktlich zum Sonnenaufgang auf den Gipfel schaffen, bzw. den Kraterrand. Gemächlich ging es also los. Nachdem man freiwillig 1.000 Yen für den Fuji Conservation Fund abdrücken musste, wund sich der Weg in Serpentinen kontinuierlich aufwärts. Um Viertel vor 9 waren wir aufgebrochen, hatten also masisg Zeit, um oben anzukommen, denn der Sonnenaufgang ist typischerweise im Sommer um circa 5 Uhr. Mit unseren Stirnlampen wanderten wir also den Berg hinauf und gewannen schnell an Höhe. Insgesamt 1.400 HM galt es bis oben zu überwinden. Nach circa einer Stunde im Regen hörten wir erstaunte Rufe vieler Japaner – die Wolkendecke hatte sich gelöst und auf einmal konnte man einen wunderschönen Nachthimmel begutachten!

Am Fujisan gibt es viele Hütten und Stationen an denen beispielsweise Getränke, Snacks oder Sauerstoffbehältnisse erstanden werden könnten. Dennoch gibt es auch die Möglichkeit sich einen Brandstempel auf einen Holzstab „tätowieren“ zu lassen. Quasi wie eine Art Wanderstock. Das konnten wir uns beim besten Willen nicht entgehen lassen!


Der Weg wand sich währenddessen immer weiter in Serpentinen nach oben und wurde immer wieder durch Stationen unterbrochen. Es waren so viele Leute unterwegs die an den Stationen laberten und Instant-Noodles aßen, dass man sich fast wie auf einem Festival vorkam.


1,5 h vor Sonnenaufgang standen wir also knapp unterhalb des Kraterrandes und wollten das letzte Stück in Angriff nehmen.

In Stop and Go Manier ging es also das letzte Stück hinauf. Und die sonst so höflichen Japaner fingen langsam an zu drängeln. Es ging teilweise so langsam voran, dass es uns kühl wurde. Langsam fing auch schon die Sonne an aufzugehen.

Es wurde immer heller und wir kamen immer noch langsamer voran.

Wir schaffen es jedoch gerade rechtzeitig! 5 Minuten vor dem Sonnenaufgang konnten wir uns optimal positionieren und einen wunderschönen Sonnenaufgang beobachten!



Kurz nach dem Sonnenaufgang beenden ein paar Wolken das Spektakel jedoch wieder und wir entscheiden uns die Kraterumrundung zu starten! Zunächst ist es sehr neblig und windig!

Doch wenige Minuten später haben sich die letzten Wolken dann endgültig verzogen und wir können den gesamten Krater und vor allem das gesamte Panorama erblicken!






Fehlt eigentlich nur noch der finale Stempel auf unserem Stab!



Nach einer Pause ging es dann wieder zurück in Richtung fünfter Station. Bei Tageslicht fiel uns erstmal auf, wie stark der Berg vom Mensch bearbeitet wird. Sogar Bagger und Bulldozer kommen hier zum Einsatz.


Nach einem sich lange ziehenden Abstieg kamen wir mit schweren Beinen wieder an der fünften Station an. Wir hatten unsere Übernachtwanderung also erfolgreich gemeistert!
