Wir fahren das erste Mal tagsüber mit dem Zug und dann auch noch mit dem Bullet-Train Schnellzug. Die Strecke von Xi’an nach Chengdu legen wir in 3,5 Stunden zurück – ca. 730 km.

Um künftige Langeweile totschlagen, haben wir uns im muslimischen Viertel ein chinesisches Schach gekauft. Was im ersten Moment vertraut klingt, ist dennoch recht anders im Vergleich zum europäischen Schach. Es gibt bspw. eine Kanone, die einem Stein als Schanzenstein benutzt um den folgenden Stein zu schlagen. In der Mitte jeder Seite gibt es eine Festung und wie es sich für einen König gehört, darf dieser die besagte Festung nicht verlassen. Der König darf übrigens nicht König, sondern nur Feldherr genannt werden. Dies geht (vermutlich) darauf zurück, dass der Kaiser diese Bezeichnung als unwürdig empfand, weil ihn dann ja Arbeiter und einfache Menschen einfach über ein Spielfeld schieben könnten.

Beim einen oder anderen wird der Name Chengdu vielleicht eine Assoziation hervorrufen. Die Hauptstadt der Provinz Sechuan ist bekannt für den Artenschutz. In der groß angelegten Giant Panda Research Base wurden die bedrohten Pandas quasi vor dem Aussterben gerettet. Fast jeder Panda in weltweiten Zoos hat seine Wurzeln in Chengdu, bzw. wurde von Chengdu aus koordiniert. Nachdem Pandas Anfang des 20.Jahrhunderts das erste Mal lebend nach Europa geschafft wurden, stieg ihre Popularität rasant an und sie wurden zum Gesicht Chinas. Schnell schafften sie den Aufstieg zum politischen Tier und wurden zum Geschenk an andere Staatsoberhäupter. Die Population ging rasch zurück und Ende der 1980er wurde das Zentrum in Chengdu gegründet, um deren Fortbestand zu sichern. Heute können Schaulustige aus aller Welt (wie auch wir) den lustigen Pandas beim täglichen Leben zuschauen. Natürlich waren wir auch hier wieder nicht alleine…



Beim Hype um die großen Pandas gerät ein Panda jedoch vollkommen außer Acht: der rote Panda.

Der rote Panda ist deutlich kleiner als sein Artgenosse, aktiver und sieht einem Fuchs nicht unähnlich. Auch dieser Panda wird in der Research Base geschützt und beforscht.
Als wir uns gerade in aller Ruhe die weniger überlaufenen roten Pandas anschauen, ertönt ein schrille Schrei einer chinesischen Touristin. Wir blicken umher. Ein aufgeregt brabbelnder Mob bewegt sich den Weg unter uns entlang. Was ist wohl der Auslöser. Das aufgeregte Kreischen wird immer lauter und bald sind bestimmt 30 Chinesen in Bewegung und rennen den engen Weg gebückt entlang. Dann sehen wir was los ist: Ein roter Panda ist aus dem Gehege gebüchst und läuft über den Weg der für die Touristen gedacht ist. Der fotowütige Mob folgt, lautstark gestikulierend. Doch nach wenigen Sekunden ist das Schauspiel wieder vorbei, denn der kleine Panda ist durch ein Loch wieder in seine persönliche Freiheit zurückgekehrt.


Die Provinz Sechuan ist, wie der Tourismusverband auch wirbt, „more than pandas“. Auch kulinarisch hat Chengdu daher einiges zu bieten. Eine Spezialität ist zweifelsohne der Sichuan Hot Pot – ja, der Name ist Programm. Aber der Reihe nach. Zunächst muss erst einmal unter den vielen Restaurants die mit Hot Pots werben ein ordentliches gewählt werden. Ist die Wahl gefallen, muss man meistens noch vor der Türe warten, weil es voll ist – ist auch klar. Dann bekommt man ein DIN A4 Blatt mit all den Zutaten und den Brühen des Pots zwischen denen man wählen kann.


Wenn die Wahl getroffen ist, muss man warten bis ein Platz frei wird. Dann geht es los! Es gibt in den Restaurants spezielle Tische mit Gasherd in der Mitte. Dann wird der Hot Pot aufgesetzt.

Der Gasherd wird angeschalten und wenig später brodelt der Hot Pot los und verteilt scharfe Dämpfe am Tisch. Die Grundzutaten sind immer Chillis und Sechuanpfeffer, eine Pfefferart die scharf ist und beim Draufbeißen den Mund betäubt. Als Brühe wird meistens eine Enten-, Hühner- oder Rinderbrühe verwendet. Sobald das Gemisch kocht, werden die Zutaten hinzugeben, wir hatten bspw. Kartoffeln, Pilze, Rinderfleisch oder Kohl. Nun kann das Fischen und Essen beginnen!


Auch wenn es Hot Pot vielerorts in China gibt, hat der in Chengdu doch den Ruf der Schärfste zu sein. Diese Schärfe spürten wir in vollem Umfang und waren froh eine weniger scharfe Brühe in der Mitte zum Neutralisieren zu haben. Der Sechuan Hot Pot zählt definitv zu den Gerichten die dreimal brennen. Nichtsdestotrotz ist er gleichzeitig auch sehr geschmacksintensiv und war somit eine großartige Erfahrung und ein noch großartigeres Abendessen.
