Bischkek

Morgens finden wir uns am Busbahnhof Almaty ein, ergattern ein Ticket in die kirgisische Hauptstadt und warten bis sich der Bus füllt, damit wir in Richtung Südwesten starten können. Nach einer 3 stündigen Fahrt erwarten wir an der Grenze ein ähnliches Prozedere wie bei der Einreise nach Usbekistan oder Kasachstan, doch wir werden überrascht: Der Grenzübertritt ist innerhalb von 10 Minuten geregelt. Es war wenig los und der Stempel war nach wenigen Sekunden im Pass. Erstmalig auf unserer Reise sind wir in einem Land ohne Migrationskarte oder die Notwendigkeit einer Registrierung!

In Bischkek angekommen, stellen wir fest, dass es doch einige Gemeinsamkeiten zwischen den zentralasiatischen Städten gibt – zum Beispiel Stau… Bei unserem Couchsurfing Hosts Nurmukhammad und Annett angekommen, lernen wir auf die harte Tour, dass in Bischkek noch Infrastruktur aus der Sowjetzeit existiert: Die Warmwasserleitungen sind alt und werden im Frühjahr für vier Wochen abgeschalten – aus Angst vor Schäden. Das bedeutet für Häuser ohne Boiler, Duschen mit sehr kaltem Wasser.

In Bischkek gibt es einige Bazare, einer davon gleich bei unserer Unterkunft ums Eck. Beim erstmaligen Schlendern fällt uns eine ruhige Atmosphäre auf und wir realisieren, dass uns kein einziger Verkäufer bzw. keine einzige Verkäuferin offensiv anspricht und Waren anpreist. Wir können also ungestört über den Bazar schlendern und die angeboten Waren begutachten – eine willkommene Abwechslung.

Kleiner entspannter Bazar im Süden Bischkeks

Kirgistan hat sich anders entwickelt als die anderen Stan-Länder. Es hat den Parlamentarismus eingeführt und auf ein alleinige starkes Staatsoberhaupt verzichtet. Im Vergleich zu Nur-Sultan oder Taschkent findet man hier keine Megaprojekte oder glorifizierte Selbstdarstellungen von Staatsoberhäuptern. Im Zentrum entlang des Chui-Prospekts stehen alte Gebäude, die uns stark an die Architektur in Russland erinnern. Kirgistan hat auch als einziges Land Zentralasiens nach der Unabhängigkeit keinen neuen Präsidentenpalast gebaut.

Der Ala-Too Platz in Bischkek – links im Bild steht das Historische Nationalmuseum, rechts davon eine Statue von Manas (der Figur des kirgisischen Nationalepos)

Um durch die Hauptstadt zu kommen, benutzen wir hauptsächlich die sogenannten Marshrutkas (abgeleitet vom Russischen Маршрут – Route). Diese Kleinbusse gehören nicht einem Verkehrsverbund an, sondern fahren auf einer bestimmten Strecke. Da das Geld direkt in die Taschen der Fahrer fließt, halten diese auch außerhalb der Haltestellen an und können auch hergewunken werden. Außerdem werden diese gerne bis zum Bersten gefüllt. Die Menge und Intensität der Staus ist natürlich ein weiterer Faktor der die Fahrt in den Marshrutkas unvergesslich macht. Dennoch – eine Fahrt in der Stadt kostet lediglich 10 Com – umgerechnet ca. 13 Cent.

Die meisten Marshrutkas haben die Größe von Mercedes oder VW Transportern – vorne rechts sieht man die Busnummer mit den angefahrenen Haltestellen

Bischkek ist ein guter Startpunkt für Wanderer. Bei der Trekking Union besorgen wir uns das nötige Kartenmaterial für die Wanderungen die wir machen wollen. Dabei stoßen wir auch auf eine wahre Antiquität – eine Karte von Bishkek von 1991, kurz vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion. In dieser Karte wird von 600.000 Einwohnern gesprochen – mittlerweile ist die Stadt um 50% auf knapp eine Million Menschen gewachsen.

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